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Berliner Stadtgöre als Praktikant auf Fuerteventura

…Ein Tatsachenbericht

Heute schreibt für Euch unser Praktikant Georg, der unser Team im Mai und Juni 2012 bereichert hat :
Vielen Dank, lieber Georg für Deine tolle und engagierte Arbeit und diesen sehr gelungenen Report.

Der Frühling in Berlin tritt in seine Hochphase ein.
Sich lautstark paarende Vögel, lustiger Pollenflug, wie Allergiker sich ihn in ihren schlimmsten Alpträumen ausmalen und Städter mit Flipflops unter den blassen Beinen bestimmen das Bild.
Auf dem ersten Mai treffen sich Polizei und “Party-Demonstranten” zu Haschen- und Wasserspielen und noch der kleinste Balkon ist groß genug zum Grillen und Bierchen trinken. Mit diesen Heimatimpressionen bestieg ich den Ferienflieger nach Fuerteventura, um dort für fünf Wochen im OTRO MODO Surfcamp zu arbeiten.

Der Weg vom Flughafen nach “Morrrro Chable” war mir schon von einem früheren Aufenthalt bekannt.
Jedoch wirkt die karge Landschaft auf mich beim Durchqueren noch immer fast surreal, verstärkt durch das Reiseführerwissen, dass hier vor ca. 500 Jahren die Kornkammer der Kanaren gewesen sein soll.
Als wir dann am Eingang nach Jandia am Sol Jandia Mar vorbeifuhren, war das sich aufbauende Strandpanaroma von Jandia eine echte Augenweide.
Schwenkte man den Blick während der Weiterfahrt dann nach rechts, sind es die im Hinterland aneinandergrenzenden Hotels weniger.
Umso gemütlicher Morro Jable, das noch ein natürlich gewachsener Ort ist.
Die Surfschule schließlich ist ein uriger und mit Liebe sowie handwerklichem Können gestalteter Laden in einer der Gässchen, die in der weiten Perspektive den Blick auf das Meer frei geben.
Die Surfschulautos stehen im gleichberechtigten Wettbewerb mit den Anwohnern um die Parkplätze, so dass es jeden Tag nach den Kursen spannend wurde, von wo die Bretter und Anzüge jetzt abgeladen werden sollten.
Meinem Praktikantenkollegen Fabian (der mit der Bratwurst im Mund, sorry Fabi, ich hatte leider kein vorteilhafteres Bild von dir) und mir war in der Surfschule unter anderem die Aufgabe zugeteilt, die Kurse zu planen.
Dabei gibt es schon einiges zu berücksichtigen, wie z.B. die tägliche Verschiebung der Gezeiten und den Könnensstand des einzelnen Surfschülers. Wer dann wann von wo abgeholt werden würde, war ebenfalls Gegenstand der täglichen Logistikaufgabe. Anbei haben wir unter anderem noch T-Shirts, Ketten, Gürtel und Bommelmützen verkauft, für jeden Fuerteventurabesucher ein unverzichtbares Accessoire!

Fabian & die Wurst

Fabian & die Wurst

Wir Bommelboys

Wir Bommelboys

Wenn man dann noch selber mit konnte, war es schon ein schönes Gefühl, alle beisammen zu haben und am Strand gemeinschaftlich die Bretter runter zu tragen.
Dabei wird einem klar: Es geht nicht nur darum, dass man mit einem Brett auf dem Meer rumrutscht, sondern es ist das Gesamterlebnis:
Erst das Eintauchen in die wilde Landschaft auf dem Weg zum Strand, dann das Erreichen des Ozeans, wo einem das Wellengeräusch entgegenbrandet, die gemeinsame Vorbereitung und schließlich der erste Kontakt mit dem Wasser.
Es ist, als würde man auf diesem Weg Stück für Stück den bisherigen Alltag hinter sich lassen.

Alles geht seinen Wellengang

Alles geht seinen Wellengang

Alltag Ahoi

Alltag Ahoi

Den Ozean habe ich als launisch erlebt: Mal war er gut gelaunt, mal war er aufbrausend, mal faul.
In jedem Fall waren alle froh, überhaupt im Wasser zu sein.
Wenn ich es schaffte, auch nur eine Welle zu stehen, dann war der Aufwand des Paddelns und manchmal Wasserschlucken’s J sofort gerechtfertigt! Den eigenen Inselalltag um viele bunte Facetten bereichern tun natürlich die Gäste. Die kommen aus allen Ecken Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Niederlande, und und und… Jeder hat so seine Masche und seinen Humor, langweilig wird’s in jedem Fall nicht.
An einem Tag zum Beispiel verbanden sich moderner Surftrend mit bayrischer Tradition von Gamshut, Lederhosen und Schuhplattler.

stramme Wadln

stramme Wadln

Schuhgeplattl

Schuhgeplattl

Schön war auch, dass es sich altersmäßig ziemlich durchmischt hatte.
Natürlich waren es im Durchschnitt schon die Leute meiner Generation, aber auch die Älteren und die ganz Jungen wollten unbedingt Surfen bei uns lernen.
Es war schon sehr lustig, den Faxenclown für die Kids am Strand zu machen, fern jeglicher Büroarbeit.
Dabei hat übrigens jeder Strand seinen ganz eigenen Flair.
Zum Beispiel gibt’s am Playa de Garcey neben den bizarren Felsformationen links und rechts ein Schiffswrack, dass bei Ebbe teilweise sichtbar wird.
In den Felsen leben kleine Atlashörnchen, die sehr zutraulich sind.
Auf dem einen Bild frisst mopst mir eines gerade ein Stück Brot aus den Hand.
Auf dem anderen Bild sieht man, wie es das in meinem Schatten verputzt.

A-Hörnchen

A-Hörnchen

A- Hörnchen & Ich

A- Hörnchen & Ich

Ein kleiner, aber zum Glück nur einmalig auftretender Wehrmutstropfen waren die kleinen schlabbrigen Quälgeister im Wasser, die meinten, mit uns “Du bist’s”-Anschlag spielen zu müssen.
Als Abschluss zu den Strandimpressionen kann ich hier mal eine kleine Rätselfrage stellen: Zeigt der Bergweg nach Cofete mit der weiten Landschaft im Hintergrund die Ost- oder Westküste?
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Cofete

Cofete

Abends kehrten wir, die Surflehrer, wie Praktikanten und unsere Gäste dann ins El Callao zu solider Livemusik ein.
Dabei zeigte sich einmal mehr, zu guter Stimmung braucht es keinen Edelschuppen, sondern eine gemütliche Hütte mit kühlem Bier, netten Leuten, also meistens unseren Gästen ;) und das Meer im Hintergrund.

El Callao

El Callao

Immer Freitags unter Sternenhimmel war auch die Holzkohle anzufeuern.
Zu totaler Zufriedenheit ist manchmal nur ein saftiges Steak und ein Tropical-Bier nötig.

Beach BBQ mit Fußpaar

Beach BBQ mit Fußpaar

Cool finde ich vom OTRO MODO Surfcamp, Beach Cleanings durchzuführen!
Mag einer sagen, Müll aufsammeln sei purer Aktionismus, der nur das Gewissen der Sammler beruhigt. Dem kann man schlagkräftige Argumente entgegenhalten.
Zuerst gibt es hier viele Tiere am Strand, die durch den Müll gefährdet sind, z.B. Seevögel und Schildkröten. Letztere sollen wieder verstärkt auf Fuerteventura angesiedelt werden. Dafür gibt es in Morro Jable auch Projekt, das die OTRO MODO SUFSCHOOL unterstützt. Zweitens geht es um den psychologischen Aspekt, Müll nicht als erledigt, sondern als Produkt zu sehen, für das der Mensch eine Verantwortung trägt.
Last but not least, ist es ein positives Signal der Besucher an die Einheimischen, dass sie nicht nur hier sind, um Wasser und Strom zu verbraten, sondern auch ihre Heimat bewahren möchten.
Ferner drängt sich bei vielleicht 20 Regentagen im Jahr und einer stetigen frischen Meeresbrise der Gedanke auf, dass Sonne und Wind neben Ziegenkäse und Strandfläche die größten Ressourcen hier sind.
Wenn ich den Windpark in Costa Calma passierte, um dort Gäste für den Surfunterricht abzuholen, fragte ich mich jedes Mal, warum die erneuerbaren Energien hier so wenig repräsentiert sind.
Spanien hat ein ähnliches Einspeise- und Vergütungssystem für Elektrizität aus Erneuerbaren Energien wie Deutschland, jedoch leiden die Kanaren an Finanzschwäche und Arbeitslosigkeit, so dass sich ein kleiner Privatmann kaum eine eigene Photovoltaikanlage leisten kann. Im direkten Gegensatz gibt es jetzt Bestrebungen, 60 km vor Lanzarote und Fuerteventura nach Öl zu bohren.
Sicherlich würde Öl kurzfristig Geld in die spanischen Kassen spülen, aber ob das langfristig zum Wohl ganz Spaniens wäre, wie die konservative Landesregierung behauptet, darf man bezweifeln. Sogar die Inselregierung ist dagegen, weil alle hier wissen, dass ein Öl-GAU, wie im Golf von Mexiko 2010, den Tourismus sofort und für lange Zeit lahm legen würde. In Deutschland gibt es ja zum Beispiel die Bürgerwindparks, wo große und kleine Investoren zusammenlegen und alle nachher am Gewinn beteiligt werden. Wenn der hiesige Stromversorger Red Eléctrica de España (REE) sein Projekt durchbekommt, eine große Freileitung über die Insel zu bauen und dadurch die nötige Kapazität für mehr Strom schafft, könnte das ja ein guter Anfang für solche Projekte sein.

Tja, da waren sie auch schon rum, die 5 Wochen.
Alle meine Erlebnisse würden hier auch den Rahmen sprengen.

Ich kann abschließend nur jedem empfehlen, die eigene Surfbegeisterung auf Fuerteventura zum Ausdruck zu bringen!! J

Der Kommentar zum Schluss vom Pottwal aus Jandia:

Das letzte Wort hat der Wal

Das letzte Wort hat der Wal

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2 Antworten zu “Berliner Stadtgöre als Praktikant auf Fuerteventura”

  1. Sascha sagt:

    Rätselfrage: Dit is die Westcoast.

    Schicker Bericht, deckt sich mit meinen Erlebnissen auf diesem trockenen Eiland.

  2. Andrea sagt:

    Netter Bericht und Idee mit dem Wal, Berliner Stadtgöre ;-).
    Wir können ja mal versuchen, dem Wal einen Namen zu geben?….
    Gruß die Andrea

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OTRO MODO Surfcamp