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Der Weg zum Wellenreiten (Teil 2)

So nun ist es schon eine Weile her, dass ich angefangen habe zu berichten, wie ich zum Wellenreiten gekommen bin, deshalb hier der zweite Teil.
Wo war ich stehen geblieben? Ich glaube bei meiner ungezügelten Begeisterung für meine neue Leidenschaft, bei nahezu ungesundem Konsum von Surfzeitungen und meinem ersten wirklich langen Aufenthalt am Atlantik.
Ich war also wieder am Atlantik und diesmal sollte es für länger sein als nur zwei Wochen Urlaub. Natürlich hatte ich im Vorfeld große Erwartungen. Ich war gespannt auf meine Arbeit, obwohl allein der Fakt das ich am Meer war, mich absolut anspruchslos machte, solange ich am Tag nur eine Stunde fürs Wellenreiten haben würde. Ich war gespannt auf meine Kollegen und die vielen kleinen Abenteuer die vor mir lagen. Aber am allermeisten gespannt war ich darauf wie gut ich wirklich werden würde im Wellenreiten. So viel vorweg für eine Profi Karriere hat es leider nicht gereicht.

Mein Job war es Fahrradausflüge und Tagestouren mit dem Reisebus nach Bordeaux und San Sebastian zu organisieren. Klingt soweit ganz gut. War es auch, mit dem kleinen Nachteil, dass beide Tätigkeiten nicht am
Meer stattfanden. Doch bekanntermaßen macht Not ja erfinderisch und so begann ich auf sämtlichen Ausflügen mein Surfbrett mitzunehmen.

Es war ein großartiger Sommer. Obwohl ich den ganzen Tag arbeiten musste, hatte ich mich in meinem Leben vorher noch nie so frei gefühlt. Selbstverständlich verbrachte ich jede freie Minute mit Wellenreiten, was mir neben dem Respekt meiner Kollegen für meine Besessenheit, leider auch oft Ärger einbrachte. Egal, für mich war
jeder Tag ohne Surfen ein verlorener Tag.

Zurück in Berlin brauchte ich fast ein Vierteljahr um wirklich zu verstehen, dass ich wieder zu hause war. Meine Familie und Freunde hatten vermutet, dass mein Frankreichaufenthalt meine Wellenreitsucht ein wenig gestillt hätte. Weit gefehlt. Jetzt war es noch schlimmer! Mir war eigentlich schon damals bewusst, dass ich später einmal auswandern würde, doch wie, das wusste ich noch nicht… Es gab wenig Zeit darüber nachzudenken. Zurück in Berlin holte mich der Alltag schneller ein als ich dachte, denn ich stand vor der unbequemen Wahl: Was soll ich nun nach meinem Abitur und Zivildienst machen? Ich wusste was ich nicht machen wollte, doch das half mir wenig weiter.
Ich begann ein Praktikum in einer Werbeagentur und schon nach wenigen Wochen wusste ich: Das will ich machen! Meine Kollegen sahen das ähnlich und deshalb wurde aus dem Praktikum bald ein Ausbildungsvertrag zum Mediengestalter für Mediendesign.

Die Ausbildung war klasse. Ich glaube es gab keinen Tag an dem ich morgens das unangenehme Gefühl hatte: Ich muss zur Arbeit gehen… Im Gegenteil, am Schluss habe ich sogar die Berufsschule geschwänzt um in die Werbeagentur gehen zu können. Der einzige Wermutstropfen waren die wenigen Urlaubstage im Jahr, für einen Wellenreitsüchtigen nur schwer zu verkraften, wahrscheinlich wie für einen Whisky Liebhaber die Zeit der Prohibition…  So begann ich meine Urlaube noch akribischer zu planen, aus den wenigen Tagen Urlaub, das Maximum an Wellenreiturlaub
heraus zu holen. So flog ich im Winter 2001 auch das erste Mal nach Fuerteventura. Natürlich ahnte ich damals noch nicht, dass dies mal meine Heimat werden sollte.

Den Sommer verbrachte ich wie immer im Surfcamp in Frankreich und wurde prompt befördert. Ich durfte die Surfkurse halten. Zugegeben ein bisschen planlos war ich am Anfang schon, denn mehr Information als: „Du bist jetzt gut genug beim Surfen, um den Surfkurs zu halten“, bekam ich von meinem Chef nicht. Das „Wie“ brachte ich mir selber bei, mit Büchern und Zeitschriften. Nach einem - Gott sei Dank - wenig holprigen Anfang funktionierte mein System recht gut. Aus heutiger Sicht, würde ich aber schon einiges anders machen. Aber das Wichtigste hatte ich damals schon
verstanden: Man muss auf seine Surfschüler eingehen. Jeder fängt mal an, man darf nur nicht stehen bleiben, sondern muss sich immer reflektieren und verbessern. Klug gesprochen, haha… Ich hoffe das gelingt mir wenigstens ab und zu mal… Wie dem auch sei, mein Surfkurs kam gut an und meine Position als Surflehrer war fester Bestanteil der
Teamplanung vom RainbowTours Camp.

Zurück in Deutschland stand ich wieder vor dem alten Problem: Was mache ich damit ich jeden Tag Wellenreiten gehen kann? Zu allem Überfluss hatte sich die Situation noch verschärft, denn mein Problem war nun: Was mache ich damit ich als Grafiker arbeiten und jeden Tag Wellenreiten gehen kann?

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3 Antworten zu “Der Weg zum Wellenreiten (Teil 2)”

  1. Tine sagt:

    ..cool…das buch andem ich bereits seit 2 jahren schreibe …klingt ziemlich ähnlich ;)…grüße von der westküste…aloha…

  2. Kevin sagt:

    was für ein zufall. ich strebe im moment ein studium oder eine ausbildung zu kommunikationsdesigner an und wollte mich gerade darüber informieren, wie man beruf und surfen vereinbaren kann. Jetzt bin ich mal gespannt auf den weiteren verlauf deiner Story (:

  3. Nina Katharina sagt:

    hm ja und wie hast du das Problem gelöst???????????

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