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Surfcamp News - Der September auf Fuerteventura

Von Surfnovize Bruder Georgius aus dem Orden der OTROMODOianer

Verließ ich im Frühling mit Beginn der schönen Jahreszeit Berlin in Richtung Fuerteventura, so kehre ich jetzt nach meinem zweiten Arbeitsaufenthalt mit Beginn des “kuschligen” Herbstes wieder. (fängt fast genauso an wir der Name der Rose :)) Draußen vor meinem Fenster ist das fünfhundert Meter entfernte Nachbarhochhaus gerade in einer Apokalypseartigen Regenfront verschwunden. Schon komisch, dieser Kontrast zu vor ein paar Tagen.

Jedem Besucher fällt sofort die karge Landschaft auf und es folgt automatisch die Frage: “Regnet es hier nie?”
Da die Anzahl der Regentage übers Jahr verteilt einstellig ist, kann die Antwort getrost lauten: “Nein, so gut wie nie.” Ok, mal abgesehen von teurem Trinkwasser und eintönigem Landschaftsdesign hat das auch Vorteile. Man kann z.B. in der Bar immer draußen sitzen und die Wäsche ist innerhalb von Stunden trocken. Doch diesmal bestätigte die absolute Ausnahme die Regel: Im El Callao dachten wir erst, jemand würde sein Wischwasser vom Balkon feudeln und blickten ungläubig nach oben. In der gleichen Nacht vergaß ich dann auch meine Wäsche von der Terasse herein zu nehmen, die nach deutscher Manier am nächsten Morgen noch schön feucht war. Den ganzen folgenden Tag über konnte man in Morro Jable ein bizarres Naturschauspiel betrachten, bei dem über dem südlichen Meer die Sonne strahlte, wobei gleichzeitig in den nördlichen Bergen eine graue Wolkenwand stockte und die Surfschule selber in einem sepiafarbenden Zwielicht hing. Womit ich und wahrscheinlich noch einige andere Fuerteventuraraner an diesem Tag Bekanntschaft machten, war das Phänomen “Aquaplaning”, das mich hinter dem Kreisverkehr in Costa Calma noch 10 cm näher an die Ausfahrt rutschen ließ. Am nächsten Tag schien dann zur Abwechslung wieder mal die Sonne.

Toll war, dass wir es wieder schafften, mit einer großen Surftruppe zum Schiffswrack-Strand Garcey zu kommen. La Pared gibt einem ja schon einen Vorgeschmack auf die Verwunschenheit der Inselstrände, behält aber gleichzeitig durch die anderen Surfbegeisterten seinen touristischen Charakter. Garcey hingegen versetzt mich gefühlsmäßig in eine Zeit, in der Küstenbewohner hinter dem Horizont noch das Ende der Erdscheibe vermuteten. Passend dazu auch der Satz: “Fuerteventura ist eine Oase in der Wüste der Zivilisation.”, welcher von Miguel de Unamuno stammt, der Fuerteventura als politisch Verbannter einst lieben lernen musste. Von dem Schiffswrack ist leider nichts mehr zu sehen, aber das wusste ich ja schon von meinen letzten Ausflügen. Neugierig war ich, ob man es bei Google Earth erkennen könnte. Um den Strand hier überhaupt zu finden, musste der Straße allerdings virtuell von La Pared aus folgen. Bei Aufnahme des Satellitenbildes muss allerdings gerade Flut gewesen sein, man sieht nur die Spitze angedeutet aus dem Wasser ragen (siehe roter Kreis).

Das Schiffswrack aus der Vogelperpektive (...oder eher Satellitenperpektive?!)

Das Schiffswrack aus der Vogelperpektive (...oder eher Satellitenperpektive?!)

Der Surfkurs beginnt nicht erst im Wasser, sondern das ganze Drumherum ist auch ein Teil davon. Die letzten Meter zum Strand geben für manch einen, der unter der “Last” seinen Softboards murrt, Anlass, laut nach einem Sessellift zu verlangen. Wenigstens ein Treppenlift solle wohl drin sein (Wenn schon, dann ein solarbetriebener elifte Treppenlift, bitte schön…). Aber seinen Stuff zum Strand zu tragen ist meiner Ansicht nach das mentale Warm-Up vor dem körperlichen.

Ein vertieftes Verhältnis bekam ich zum simplen Aufwärmen, weil ich es durch die Doppelkurse auch zweimal täglich mitmachte. Natürlich macht man es dann in erster Linie aus Jobgründen, aber es entfaltet nach einer Woche zwangsläufig eine zusätzliche Wirkung, die den erfahrenen Yogis unter den Lesern bestimmt bekannt ist. Die Bewegungen werden fließender und weniger verkopft, man kann sich bei der Ausführung selber zuschauen. Ich hatte schon vorher den Plan ein vier wöchiges Yoga-Retreat in Indien zu machen und erhielt so überraschenderweise einen kleinen Vorgeschmack. Um auf den Anfang zurück zukommen, würde ich das Brett-zum-Strand-tragen schon als eine Karma-Yoga betrachten, dass einen darin erinnert, dass Belohnung Bemühung voraussetzt. ;)

Mit Spannung wurde der Swell in Jandia erwartet, wahrscheinlich hatten alle ortsansässigen Surfschulen ihren Schützlingen diese Nachricht mit verschmitztem Lächeln hinter vorgehaltener Hand zugehaucht. Wir wollten auch prompt die Ersten sein: Und die Ostküste zeigte uns nur eine lange Nase. Kein Grund zum Trübsinn! Alte Surfgeschichten, praktisches Wissen und gelegentliches Abkühlen ließen die Zeit gemütlich verrinnen. Mittendrin hatten wir das Glück, die “Fred-Olsen-Welle” bewundern zu können, eine durch die Fred-Olsen Fähre ausgelöste künstliche Welle!

Die Fred Olsen Fähre von Fuerteventura nach Gran Canaria bescherte uns vier sehr schöne und saubere Wellen - danke noch mal und natürlich weiter so ;)

Die Fred Olsen Fähre von Fuerteventura nach Gran Canaria bescherte uns vier sehr schöne und saubere Wellen - danke noch mal und natürlich weiter so ;)

Nach der Fähre kann man die Uhr stellen, bzw. vielbeschäftige Manager auf der Insel könnten ihrer Sekretärin Anweisung geben, in diesen zehn Minuten keine Termine anzunehmen. Vielleicht kommt der Tag und eine umweltfreundliche, elektrisch durch Solarantrieb betriebene Fähre (Hauptsache solar) mit der Aufschrift “OTRO-MODO-WAVE-MAKER” kreuzt vor Jandia vor glücklichen Surfschülern. Naja, zugegeben, die Vorstellung ist ein bisschen dekadent, aber schön ist sie allemal.

Einen Tag später hatten wir dann das Glück in Jandia gechilltes “Badewannensurfen” zu machen, wo wir wirklich die ersten vor Ort waren. Das heißt im Klartext, im hüfttiefen Wasser sich liegend oder sitzend auf dem Brett zu sonnen und eine schöne, grüne Miniwelle mitzunehmen. Rauspaddeln durch Weißwassercrescendos fiel also diesmal aus: Fuerte von seiner “sanften” Seite.

Insgesamt kann man sagen, dass der Herbst auf Fuerteventura eigentlich wenig mit der Begrifflichkeit Herbst zu tun hat, mit der man im mitteleuropäischen Raum dieses Wort assoziiert. Herbst ist dort wohl eher eine Art verlängerter Sommer, während die Leute in Deutschland bei Herbst an Spaziergänge durch bunte Laubwälder, warme Jacken und Gummistiefel denken. Wenn man auf Fuerteventura von Herbst redet ist es eher so das sich die Surfer auf die Zeit freuen, in der die Riffe der Insel wieder die Traumwellen bieten, wegen denen Fuerteventura auch den Ruf hat, das Hawaii Europas zu sein.

So vergingen die beiden Wochen auf Fuerteventura mal wieder wie im Flug und während ich mich nun in der gemäßigten Klimazone bald auch mal gegen den einen oder anderen Graupelschauer ankämpfen muss, bleibt das Wetter auf Fuerteventura gleich und die Wellen an den Riffen werden immer besser. Da fällt es einem schon schwer nicht ein wenig wehmütig zu werden. Was bleibt sind die vielen schönen Erinnerungen und natürlich auch die Vorfreude auf den nächsten Besuch der trockensten Oase Europas :)

…und Bruder Georgius verabschiedet sich von Euch mit einem andächtigen “Halleluh… Aloha… jaaaaaa…”

P.S.: Findet Ihr nicht auch, dass es mal Zeit wird für eine OTRO MODO Surfcamp Wiedersehensparty in Deutschland? Was Ihr denkt Ihr wo sollte man die am besten machen: Hamburg, Berlin, München…?

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