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Kurze Tage im April im Surfcamp auf Fuerteventura

Gutenabendallerseits… Nun ist schon wieder ein Monat vergangen seit wir Euch das letzte Mal mit Neuigkeiten aus der Wüstenwelt im Atlantik versorgt haben.
Was soll ich sagen? Ihr habt nichts verpasst? Ja an einem Ort wie diesem, wo man das ganze Jahr eigentlich immer die selbe kurze Hose tragen kann, vergehen die Tage oft sehr schnell. In der Rückschau betrachtet, ist der letzte Monat nur wieder ein weiterer sonniger Moment, der an uns vorbei gezogen ist. So spricht der Insulaner…
Muss es nicht Robinson Crusoe auf seiner einsamen Insel ähnlich gegangen sein? Gefangen im Paradies schnitzt man jeden Tag ein Kerbe in einen Baum. Der Außenstehende vermutet völlig zu Recht, Robinson tut dies, um die Tage zu zählen, seit denen er auf seine Rettung wartet.
Ich als Inselbewohner habe eine andere Theorie: Wenn man ausgeglichen und glücklich ist, verstreicht die Zeit mit Leichtigkeit dahin und um sich wenigstens einen kleinen Überblick zu verschaffen, ob in der Heimat gerade Sommer oder Winter ist, schnitzt man (natürlich mit einem zufriedenen Lächeln) jeden Tag eine weitere Kerbe vorsichtig in seinen Lieblingsbaum.
Ihr glaubt mir nicht? Nun ja, Robinson selbst beweist diese These. Wie der aufmerksame Leser weiß, kehrt Robinson nach geglückter Rettung am Ende doch wieder auf seine Insel zurück. Ist dem noch etwas hinzu zu fügen? Wir denken: Nein :)

Fazit aus der Geschichte: Hat man immer gutes Wetter und keine Sorgen vergeht die Zeit im Fluge. Nicht umsonst legen viele Leute im Urlaub Uhr und Mobiltelefon ab, um dieses Gefühl zu beschleunigen.
Unter diesem Gesichtspunkt betrachtet, ist es die eingangs erwähnte Beobachtung, dass der letzte Monat wieder wie im Flug vergangen ist, etwas grundsätzlich positives. So zeigt sich doch, dass man zum Leben nicht viel mehr als Sommer, Sonne, Strand und ein paar gute Wellen braucht. Gelobt sei was frei macht!

Robinson beim Blick auf ein einsames Line Up

Robinson beim Blick auf ein einsames Line Up

Wo wir beim Thema sind, spreche ich einen Gedanken aus, den sicher jeder Surfer beim lesen von Daniel Defoes Buch hat: Schade das Robinson kein Surfbrett hatte!

Robinson ein Surfer?

Wäre man selber in die missliche Lage gekommen auf einer einsamen Insel zu stranden, so gäbe es wahrscheinlich einige einsame Inseln auf denen man nur zu gern Schiffbruch erleiden möchte.
Wer erinnert sich noch an den Film “Cast Away” mit Tom Hanks? Waren das nicht geradezu perfekte Wellen, die ihn an seinem ersten Fluchtversuch mit dem Floß hinderten?
Ich denke jeder Leser diese Blogs hat eine ziemlich genaue Vorstellung davon, was er selber auf so einer verlassenen Insel tun würde. Soviel sei gesagt, die Wartezeit auf eine eventuelle Rettung würde ähnlich schnell vergehen, wie der letze Monat hier auf Fuerteventura. Zu tun gäbe es genug, denn immerhin müssen all die leeren Wellen einer verlassenen Insel gesurft werden. Alles andere wäre doch Verschwendung.

Ich hoffe dies wird nicht als Kritik an Daniel Defoes Romanfigur verstanden. Ganz im Gegenteil. Wahrscheinlich ist Robinson Crusoe für viele Aussteiger so etwas wie ein Vorbild. Ich behaupte er ist einer der ersten, der die damals noch junge Surfergruppe, die in der Mitte des letzten Jahrhunderts an Ohaus wilder North Shore kampierten, inspiriert hat.

Robinson der erste Aussteiger.

Ist nicht jeder Surfer ein bisschen wie Robinson Crusoe? Wir alle träumen von einsamen weiten Stränden und versteckten Buchten. Das Gefühl von Freiheit und Abenteuer, das man verspürt wenn man einen menschenleeren Surfspot entdeckt. Wer braucht noch ein schönes Hotelzimmer oder ein schickes Auto, wenn man sich nach einem Surftag an einem Lagerfeuer wärmen kann, gegrillten Fisch ist und sich nachts mit dem Sternenhimmel zu deckt.

So wie ein Fußball Fan sein Vereinsabzeichen als Schal oder Button trägt, tragen wir moderne Robinsons oft Naturschmuck. Heute kann man Halsketten und Armbänder aus Leder online kaufen. Ob Robinson sein Outfit aus langer Weile kreiert hat oder sein zu Unrecht vernachlässigter Sidekick Freitag sein Styleberater war, lässt sich nun nach beinah 300 Jahren nicht mehr in Erfahrung bringen. Fest steht: Mit Ihren Namen: “Robinson & Freitag” und ihrem Konzept könnten die beiden heutzutage eine Einzelhandelskette a la “Hennes & Mauritz” nur für Naturschmuck betreiben. Fest steht aber auch: Robinson und Freitag haben vor drei Jahrhunderten den Surfern von heute vorgelebt, was es heißt ein wirklicher Aussteiger zu sein.
Abschließend lässt sich sagen: Heute eifert jeder Surfer ein bisschen dem Romanheld von Daniel Dafoe nach. Ob man bewusst alle Brücken hinter sich abbricht und auswandert oder sich nur im Urlaub von allen weltlichen Annehmlichkeiten lossagt, macht am Ende keinen Unterschied. Die Motive für diese Art zu leben sind die gleichen und das Gefühl von Freiheit spürt man nach einer Woche Wellenreiten auf Fuerteventura genauso wie nach einem Leben auf einer einsamen Insel.
Deshalb hoffen wir, dass auch weiterhin die Tage wie im Flug vergehen, beim Wellenreiten auf unserer Insel, beim Besuch von einsamen Stränden und beim Lagerfeuer unterm Sternenhimmel gemeinsam mit vielen netten Freitags aus allen Ländern dieser Welt!

Aloha.

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