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Archiv für die Kategorie ‘Tine's Surf Blog’

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 11

Samstag, 25. Februar 2012

März/April 2006 Kapstadt, eine Surfreise

Seit meinem ersten Surfversuch im Surfcamp auf Fuerteventura sind ein paar Monate ins Land gegangen.
Es haben sich viele Freundschaften entwickelt, ein guter Film ist entstanden, unzählige Fotos wurden geschossen und die Gier nach ME(E)HR lässt mich nicht ruhen.

Wenn man surft und einen diese Todsünde einmal am Wickel hat, muss man ihr leider nachgeben und mindestens einmal im Jahr einen dieser wunderschönen Orte auf der Welt besuchen, an denen man jener verrückten Sportart (dem Wellenreiten) nachgehen kann.

Meine Sms lautete „ Aloha Carla, ich brauche einen Surfplan, meld dich mal- die Tine aus Berline..“ Lustig…Total kreativ…Aber es hat gereicht:
Die Antwort bestand aus mehreren Telefongesprächen und einer längeren Internetrecherche.
Immer noch Mitarbeiter ein und derselben Airline, haben wir die “Qual der Wahl”.
Die Welt liegt uns zu Füßen, nur die Zeit nicht so ganz.
Portugal ?, Frankreich ?, Nordspanien ? wieder die Kanaren ? Kapstadt ?
Der Impfungen und der längeren Vorbereitungszeit wegen, klammern wir den asiatischen Luft- und Wasserraum erst einmal aus.
Mein letzter Urlaub in Thailand hat einen nicht ganz unerheblichen Impfapparat nach- bzw vor sich gezogen, der mich bereits vor der Reise das halbe Urlaubsgeld gekostet hat.
Nach 5 Telefonaten und einem TV Bericht über ein Surfamp in Südafrika steht fest:
Wir fliegen nach Kapstadt.
Das Camp dort verheißt nette Menschen, sieht phantastisch aus und ist in deutscher Leitung. Letzteres ist zwar nicht ausschlaggebend, erleichtert uns jetzt aber in der kurzen Vorbereitungsphase eine Menge Existentielles.

In Sache Standbyfliegen ist Kapstadt allerdings neben Bangkok so ziemlich das Gewagteste, was man sich erdreisten kann per Warteliste zu bereisen.

Am Morgen des 31.03.2006

stehe ich noch ohne Surfboard, dafür aber mit viel Gepäck- wie immer- am Flughafen Berlin Tegel (dem wahrscheinlich kleinsten Hauptstadtflughafen der Welt) und hoffe, dass ich NUR das eine, nämlich mitgenommen werde. Nicht mehr und nicht weniger.
Die Maschine sieht gut aus.
Das sagt man so, wenn man sich die Kapazitäten ansieht und den Wind des Optimismus riechen darf.

Die unattraktive Zeit um nach Frankfurt meinem Umsteige- und Carlatreffpunkt zu reisen, könnte mir jetzt zugute kommen.
Während ich in Berlin ungeduldig von einem Fuß auf den anderen trete, schwitzt Carla in einer Prüfung in Frankfurt und dürfte somit ähnlich nervös sein.
Ich sehe mich schon einchecken- endgültig- da wird es plötzlich sehr schnell sehr, sehr voll an meinem Schalter.
Mit meinen nichtvorhandenen französischen Sprachkenntnissen, entschlüssele ich neben „Merci“ und „mierde“ wenig, kann aber zuordnen, dass ersteres die sagen die einchecken und letzteres die brüllen, die nicht einchecken.
Ich stehe auch irgendwo da und sehe meine Möglichkeiten auf eine Vokabel zwischen “merci” und “mierde” endgültig wegschwimmen, da werde ich aufgerufen.
Aus irgendeinem mir nicht erfindlichen Grund habe ich mal wieder mehr Glück als Verstand und werde auf einen der allerletzten Plätze dieser jetzt übervollen Maschine gestopft.
Wie ich später erfahren soll, handelte es sich um den Ausfall zweier anderer Zubringer mit Ziel – wen wundert’s? – Paris. Ergo wurden aus drei Maschinen eine gemacht- und wieder “Ergo” schimpft und lobt alles auf Französisch.
Ich verstehe kein Wort und habe schon jetzt ein Gefühl von Ausland, allerdings nicht von dem Ausland, in das ich- mit einem Glück, das mir hoffentlich weiterhin treu bleibt- schon demnächst einreisen werde.

Da solche Sachen wie Flugzusammenlegungen immer eine Kette von Ereignissen nach sich zieht, suche ich in Frankfurt FRA erst mal meinen- ich korrigiere- meinE Koffer. Flugnummer? Gepäckband? Ich checke gar nichts. Für welche der drei Flugnummern haben die sich hier entschieden ? Muss ich jetzt die Quersumme bilden? Einen Mittelwert errechnen ? Welches Band kann ich mir aussuchen? Das Schönste? Das Längste? Das Französischste?
Ich bemerke scharfsinnig, dass ich inzwischen alleine mit zwei weiteren Kofferhoffern am doch augenscheinlich falschen Band stehe, als das letzte Gepäckstück seine Runde dreht.
Ich habe noch ein bisschen Zeit, wirklich nicht viel und werde langsam nervös, da sehe ich durch einen optischen Zufall (Spiegelung in der gegenüberliegenden Klotür) meine Fundstücke an einem weit entfernten Band ebenfalls seine einsamen Runden drehen.
Spontan entwickle ich sehr große Freude und mache einen beherzten Schritt in die richtige Richtung. Dort sammle ich meine vermissten Habseligkeiten im Eiltempo ein und mache mich- jetzt aber rubbeldiekatz- auf den Weg zu dem Schalter, an dem ich auf eine hoffentlich pünktliche und positiv prüfungserleichterte Carla treffe.
Vorher mache ich noch einen Schlenker über einen der immer großartig sortierten Flughafenbuchläden.
Ich entscheide mich für ein Buch über „Körpersprache“ und ein weiteres über Kapstadt, danach bewege ich mich in Richtung Abflugort. Ich komme nur bis vor den Buchladen.

Irgendsoein Typ lässt mich nur dann weiter gehen, wenn ich ihm nochmal??? hier??? meine Boardkarte zeige.
Alle anderen Menschen um mich rum dürfen auch so weitergehen.
Ich fühle mich unnötig statistisch erhoben, fummle umständlich nach meinen Dokumenten und drücke sie dem Offiziellen, der sichtlich genervt ist, in die Hand.
Macht nichts, ich habe Urlaub und einer meiner Grundsätze lautet: Im Urlaub gibt es keinen Stress!
Nach einer stressresistenten “Zurückfummelei”- denn, natürlich bin ich im Besitz einer gültigen Boardkarte- mache ich mich dann endlich auf den Weg.

Carla ist noch nicht da. Ich erspähe eine Bank mit Blick auf den Schalter und entscheide mich spontan fürs Rumsitzen und Warten. Etwas anderes bleibt mir auch kaum übrig.
Mit einem kleinen Unbehagen registriere ich ein erhöhtes Passagieraufkommen vor dem Schalter unserer gewünschten Maschine.

Ich hätte mich wohl besser woanders hingesetzt, denn es ist nicht gerade beruhigend mit anzusehen, wie voll es zu werden scheint.
Besonders beunruhigend ist dieser Umstand, wenn man Größen und Mengen nicht einschätzen kann. So wie ich.
Die Maschine erscheint mir vergleichsweise mickrig im Gegensatz zu der Menge von Menschen, die gerne einsteigen möchten.
Wieder plane ich eine Alternative und seh mich in Frankfurt Äppelwoibembelsche heben und den blauen Bock besuchen.
Eine kurze Kindheitsepisode lang rast Heinz Schenk an meinem inneren Auge vorbei.
Den gab es immer bei der Oma mütterlicherseits und zwar an JEDEM Samstag Abend an dem nicht Winnetou und nicht Bud Spencer & Terence Hill kamen.
Nach ‘nem ordentlichen Stück Torte und vor dem Gang ins gebügelte Bettzeug.

Ich starre abwechselnd in die Richtung aus der ich Carla vermute, wieder zum Schalter und zwischendurch in eins meiner neuen Bücher, dem ich zu diesem Zeitpunkt jedoch nur fahrig ein paar Bilder entnehmen kann.
Endlich!! 10 Minuten später sehe ich Carla mit fliegender Frisur auf mich zustürmen, das heißt zunext vorbei.
Als wir uns dann endlich haben, entschließen wir uns dazu gemeinsam ein bisschen schneller zu handeln und stellen uns zackig in eine sehr deutsche- Reihe. Das sage ich so, weil ich das Thema „Anstellen“ noch ganz anders kennenlernen werde. Carla ist durch die Prüfung gefallen, dafür bekommen wir einen Platz auf der Maschine, nebeneinander.
Alles hat seinen Preis. Die Economy Class der Airline mit der wir heute fliegen ist überraschend anders- besser, als alle Economy Classes, die ich bisher gesehen habe.
Der Touchscreen bietet so viele Variationen zum Tatschen, dass ich am Ende keinen Film zu Ende gesehen habe.. Vielmehr kenne ich jeden Sender und habe in alles mal reingesehen.
Wer die Wahl hat…

Noch dazu sitzen wir in der Notausgangreihe und können uns über mangelnde Bewegungsfreiheit im Fußraum wirklich nicht beklagen.
Es muss eine wichtige Prüfung gewesen sein, die Carla da versemmelt hat.
Alles ist perfekt, ein großartiger Beginn für die Reise auf einen anderen Kontinent.
Wir gönnen uns ein Bier, lehnen uns zurück und schauen jeder auf seinem eigenen Bildschirm in das jeweils Ertatschte. Hoch lebe dieser Flug. Here we go- Richtung Capetown- Südafrika
8 Stunden später steigen wir etwas zerknittert- ich ein bisschen mehr als Carla- denn die kann in Flugzeugen schlafen- aus der Maschine.
Die warme Luft und das gleißende Licht des noch sehr jungen Morgens heißen uns willkommen.
Wir sollen abgeholt werden.
Ich halte Ausschau nach Claus einem der Jungs vom Surfcamp, welches wir ausgewählt haben.
Da Claus so blond ist wie ein Weizenfeld, sollte es nicht allzu schwer sein, ihn schnell zu finden.
Wenn jemand aber nicht da ist, ist es allerdings schwer diesen Jemand zu finden.
Es ist 6 Uhr in der früh, als ich eine Sms verschicke und um Gehör sowie Abholung bitte.

Die Antwort lautet „ Was gibt es denn so früh am Morgen? „ Ich schreibe zurück „Uns“. 30 Minuten später steht ein verstrubbelter Blondschopf vor uns, der noch lange nicht so wach ist, wie wir.
Mit samt Geraffel steigen wir in seinen alten VW- Bus und steuern zunächst einen deutschen? Bäcker an.
Ich bin müde, mir soll es recht sein. Satt bin ich noch vom Flug, gönne mir aber dennoch ein „deutsches“ Schokobrötchen in Erwartung irgendeiner sensationellen Entdeckung.
Die bleibt aus.
Ich werde nur noch müder. Claus’ alter VW Bus fährt uns durch die Landschaft des morgendlichen Südafrikas.
Es sieht zunächst nicht viel anders aus, als bei uns.. kann aber auch an meinem nicht mehr vorhandenen Urteilsvermögen liegen.
Man hätte mich auch in der Tundra aussetzen können.
Ich würde jetzt alles für ein Surfcamp halten.
Ich bin froh, dass ich nicht fahren muss, in Kapstadt herrscht Linksverkehr.
Eine Sache, die mich gerade noch zusätzlich verwirrt.

Nach einiger Zeit - 1 Stunde? - erreichen wir die Dolphin Road.
Was für ein schöner Name. Wäre das nicht eine Adresse für mich? Unterwegs kann ich noch einen schnellen Blick auf das Wahrzeichens Kapstadts werfen: den Tafelberg.
Der Ozean begleitet uns nun auch schon eine ganze Weile und erfreut stelle ich fest, dass er nur wenige Meter Fussmarsch von unserer Unterkunft entfernt liegt und dass weiter draußen sensationelle Wellen brechen.
Ebenfalls sensationell ist der enorme Wind, der uns bei Verlassen des Busses unsanft hinaus reißt.
Claus assistiert uns- für seinen Zustand doch recht fix- dabei unser mehr oder weniger wegfliegendes Gepäck unter ganzem Körpereinsatz in die Hand zu drücken und zeigt uns im Schelldurchlauf wo wir etwas finden, wenn überhaupt und wo wir schlafen werden, wann auch immer.

Das Hostel ist phantastisch. Mehrere kleine, ausgesprochen liebevoll gestaltete Bungalows reihen sich neben und umeinander.
In dem eher unauffälligen Hof, hätte man niemals vermutet, dass sich dahinter eine solche Oase verbirgt.
Die Küche ist ein offen gestalteter Raum, die sich nahtlos an ein Zimmer mit Kamin und hübschen Sitzgelegenheiten reiht.
Da sich derzeit mehrere, aber trotzdem eher weniger Bewohner hier aufhalten, finden wir mühelos einen Schrank in der Küche in dem wir unsere noch nicht vorhandenen Lebensmittel verstauen könnten.
Hinter dem Kaminzimmer befindet sich eine kleine Terrasse mit Pool und einem Platz zum Grillen.
Die Südafrikaner nennen das Barbeque “Braai”. Also einen Platz fürs Braai.
Ich freue mich über die Wahl unserer Unterkunft und bin gespannt, wer hier noch so alles wohnt. Einige alte VW Busse stehen vor unserem Fenster.
Vorerst sehnen wir uns nach unseren Betten und verschwinden für die nächste Stunde in unserem kleinen, stylischen Bungalow.
Ich bin so müde, dass ich nicht mal meiner üblichen Angst verfalle, ich könnte etwas verpassen und schlafe fast umgehend ein.
Die bereits erwähnte Stunde später wachen wir beide etwas mitgenommen auf.
Ich bin bereits wieder wach genug, um Angst zu bekommen, das mir etwas entgehen könnte und springe draufgängerisch aus meinem südafrikanischen Leihbett.
Mit nur einer Stunde Zeitunterschied zu Mitteleuropa- während der Sommerzeit herrscht sogar Zeitgleiche- haben wir kein Problem, einfach dort weiterzumachen, wo wir aufgehört haben.
Es ist 16:00 Ortszeit, 15:00 in Berlin, Zeit eine Runde durch den “Ort” zu drehen, um uns wenigstens einige wenige Frühstücksmittel und etwas Wasser zu besorgen.
Als ich den Vorhang zur Seite ziehe, bemerke ich dass jemand an einem der VW Busse werkelt. Spontan beschließe ich ein paar Minuten mehr Zeit auf mein Äußeres zu verwenden.
Wow…Halleluja! Hoch lebe Kapstadt!
Ich freue mich über so attraktive Mitbewohner und Carla pfeift ebenfalls leise durch die Zähne, als sie unseren ersten Nachbarn erblickt.
Schön, sportlich und einen schönen, sportlichen VW Bus. Was will man- zumindest auf den ersten Blick mehr ? Egal.
Wir müssen los.
Dass wir dazu besser nicht unser ganzes Bargeld mitnehmen und die dicke Kamera auch zunächst im Zimmer lassen, wissen wir von Claus, der uns neben seiner kleinen Führung auch ein paar wissenswerte Kleinigkeiten über die unmittelbaren Nachbarn erzählt hat.
Wegen der immensen Unterschiede von Arm und Reich kommt es leider immer wieder zu Überfällen.
Wir beherzigen seinen Ratschlag, gehen aber vorurteilsfrei und wenig ängstlich an die Sache heran. Ich freue mich, dass ich Gast in diesem Land sei darf und vergesse das Ganze soweit man es nur vergessen kann.
Wir schlendern durch den herrlichen Sand am Ozean entlang.
Die Silhouette des Tafelberges ist majestaetisch.
Bei guten Sichtverhältnissen kann man sogar bis nach Robben Island schauen, wo Nelson Mandela 27 lange Jahre seines Lebens in Haft verbracht hat.. Heute ein Natur- und Nationaldenkmal
Robben Island ist allerdings auch noch für etwas anderes berühmt: Robbenkolonien.
Robben sind putzig anzusehen und lecker für die, die in der Nahrungskette weiter oben stehen.
Ergo sind auch genau diese dann da, wenn der Magen knurrt.
Irgendwie weiß man das, ignoriert es aber auch ganz gerne, vor Allem dann, wenn man von seiner Zeit ganze zwei Portionen im Jahr am Meer verbringen kann.
In meinem Fall wirkt hier einfach mal Verdrängung.
Vor der Kulisse von Kapstadts Wahrzeichen- dem Tafelberg- können wir Surfer erkennen.
Die Welle scheint weit draußen zu brechen, man sieht nur kleine schwungvolle Punkte, die sich mit dem Shape der Welle bewegen.
Man müsste schon einen Außenborder mitnehmen, um schneller zu seine, als die großen, weißen Robbenfreunde.
Ich beschließe während dieser Reise mal nicht in meinen Neoprenanzug zu pullern- und wenn ich platze.

Wir kaufen 1 Flasche Rotwein und diverses Zeugs, was ich in Deutschland noch niemals probiert oder je in Zusammenhang mit einem Lebensmittelladen in Verbindung gebracht hätte.
Eine der schönen Nebenerscheinungen beim Reisen.
Ich liebe Supermärkte in anderen Ländern.

Dabei fällt mir auf, wie teuer hier die Lebensmittel sind.
Zumindest die, die wir mögen und brauchen.
Ich bin ein bisschen schockiert, denn noch auf dem Flug hierhin ist mir mehrfach der Gedanke gekommen, nach Südafrika auszuwandern.
Ich muss dazu sagen, dass unsere Firma eine Zweigstelle in Downtown Kapstadt hat und möchte mich gleichzeitig davon distanzieren verrückt oder weltfremd zu wirken.

Die Idee beschäftigt mich seit Wochen und ein bisschen erhoffe ich mir von dieser Reise, dass ich an ihrem Ende weiß, ob und wo ich wenigstens eine Zeit meines Lebens verbringen könnte, außer in Deutschland.
Bisher weiß ich lediglich, dass es ein Ort sein muss, an dem es Wellen gibt.
Als wir mit zwei Tüten den Seven Eleven Shop wieder verlassen, ist vom Tafelberg nichts mehr zu sehen. REIN GAR NICHTS! Die Sicht ist gut, aber der Berg ist verschwunden.
Ich drehe mich um, schaue fragend- zumindest habe ich das Gefühl, dass ich fragend schaue.
Wahrscheinlich sehe ich in diesem Moment ziemlich desorientiert aus- fühlt sich zumindest so an.
Ich möchte nicht wissen, wie viele Touristen im Jahr statistisch genau dieselbe Bewegung machen und dabei genauso bekloppt aussehen.
Vielleicht haben wir durch den entgegengesetzten Ausgang den Laden verlassen ?! Es gibt keinen entgegengesetzten Ausgang.
Na, Shit happens. Vielleicht erklärt sich das Phänomen ja von selbst.
ABER: In Anbetracht der Tatsache, dass wir lediglich 10 Minuten im Geschäft und damit ausser Sichtweite des Gesteinmassivs verbracht haben, ist uns beiden etwas wunderlich zu Mute.
Wie kann etwas so großes in so kurzer Zeit einfach so verschwinden?
Ich bin zu müde um vernünftig nachzudenken, bemerke aber trotz dieser Tatsache und für meine Verhältnisse dann doch noch relativ zügig, dass das Meer- und nur das Meer- in dichten Nebel gehüllt ist: Seafog. Never seen.
Eine typische Wettererscheinung für diese Region und Jahreszeit.
Den Tafelberg hat es auch gleich mit verschluckt. Na dann Mahlzeit.
Unheimlich, wie schnell es so nebelig geworden ist, dass man draußen auf dem Ozean- und nur dort- die Hand nicht mehr vor Augen erkennt.
Noch unheimlicher, dass man alles andere jenseits der Wassergrenze bestens sehen kann.

Ich stelle mir vor jetzt auf meinem Surfboard zu sitzen. Seltsame Vorstellung. Ich projeziere noch eine spitze Rückenflosse in dieses Szenario und mein Kapstadt- Supergau ist perfekt.

Wir machen uns auf dem “Heimweg”.
Es ist kühl geworden und der Wind hat ein wenig zugenommen.
Mit jedem Schritt in Richtung Hostel lichtet sich der Nebel ein wenig und gibt die Sicht auf Kapstadts Wahrzeichen wieder frei. Na, Gottseidank- was man nicht sieht, glaubt man ja oft nicht.

Wieder wundere ich mich über die Geschwindigkeit mit der diese erneute Umgebungsänderung von statten geht.
Nach der Mitte des Weges bleiben wir stehen.
Die Stimmung ist seltsam und man könnte meinen, der Nebel verschluckt auch jedes Geräusch.
Um mal wieder wirklich alles festzuhalten mache ich ein paar Photos. Ich weiß, Geräusche kann man nicht einfangen, aber wenn ich mir die alten Bilder von manchen Situationen heute ansehe, ist es…als erlebe ich sie noch einmal. Diese Szene möchte ich immer wieder erleben.
Sie ist gruselig und wattig, pastellgelb und ruhig.
Das Bild fühlt sich an wie ein sanfter Vollrausch.
Die Sonne geht jetzt langsam unter und in der Kombination mit dem vielen Wasserdampf entsteht ein weiches Licht, welches ich in dieser Art noch niemals zuvor gesehen habe. Eine eigenartige aber wunderschöne Atmosphäre. Fast ein bisschen impressionistisch. Van Gogh hätte sicher sofort jeden verfügbaren Pinsel ausgepackt.
Ich weiss nun warum dieser Ort so viele Photographen, Sonnenuntergangsjünger und heiratswillige Paare anzieht und ergebe mich heute zum ersten Mal bedingungslos einer von Südafrikas vielen wunderschönen Facetten.
Carla und ich frieren wie zwei Sommeridioten- wir sind natürlich viel zu dünn angezogen- wollen aber diesen Moment noch nicht so bald verlassen.
Wir beschließen unsere Flasche Wein gleich hier zu öffnen. Den Korkenzieher haben wir in weiser Voraussicht schon vorher eingesteckt…Man kann ja nie wissen.. Und so sitzen wir mit den Zähnen klappernd, von Ergriffenheit gepackt im eiskalten Sand von Tableview am Bloubergstrand und freuen uns, dass wir hier sind. Der erste Abend kann beginnen.

Als wir ins Hostel kommen hauen wir uns erneut auf Ohr.
Wir erwachen erst wieder, als es ordentlich kracht und donnert. Gewitter? Der Tafelberg ist umgekippt? Nein, wir haben das letzte Land in der WM der Feuerwerke verpasst. Verschlafen.

Bloubergstrand- Kapstadt

Bloubergstrand- Kapstadt

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 10

Sonntag, 22. Januar 2012

19.10.2005, Tag 3
Nach einem schnellen Frühstück und einem Blick auf die Wasseroberfläche machen wir uns heute erneut unchristlich früh auf den Weg zum Strand.
Wo sollten wir auch sonst den Tag verbringen?
Ich habe DEN Megaultrasuperungesundsonnenbrand. (weiterlesen…)

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 9

Freitag, 09. September 2011

16.10.2005 07:30

Wie immer erwache ich als erste und krieche direkt aus meinem Zelt ins Leben.
Der Morgen ist noch jung und frisch und so fühle ich mich auch: jung und frisch.
Die Sonne steht bereits am blauen Himmel.
Ich freue mich über soviel Platz in den Waschräumen und zelebriere meinen Aufstehprozess.
Allerdings habe ich Pascal unterschätzt. Pascal ist Schwimmlehrer für Kinder, wohnt auch im Camp, muss meistens bereits um 08:00 in irgendeinem Hotel sein und kann zu schrecklich frühen Zeiten bereits schrecklich viel reden.
Ich habe mir schon immer Gedanken gemacht, warum ich eigentlich so gerne soviel früher als andere aufstehe. Ich glaube einer dieser Gründe ist, dass ich morgens erst mal mit mir selbst ins Reine kommen muss. Das geht aber nicht, wenn ein anderer noch früher aufgestanden und bereits mit sich im Reinen ist. (weiterlesen…)

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 8

Montag, 22. August 2011

Die Tür, aus der das Lachen kommt ist verschlossen und in tiefe Dunkelheit getaucht.
Da hier weiter sonst nichts lacht, entschließen wir uns für eine Geräuschverfolgung.

In Anbetracht der Einfachheit von allen Dingen um uns herum, denke ich gerade noch rechtzeitig daran, meine Lederflugsuperschickschuhe gegen Flipflops einzutauschen, die Haare in sportliche Unordnung zu bringen und mir den Rest Eleganz aus dem Gesicht zu wischen, da stehen wir auch schon mitten im Geschehen.
Im Schlepptau: Zwei Beschwichtigungs- Spirituosen und das peinlichen Versehen, alle für zunächst englischsprachig zu halten. Englisch? in Spanien ? Typischer Sprachhilflosigkeitsgedanke.
Man schreit auch immer, wenn man eine Sprache nicht versteht. So what ? (weiterlesen…)

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 7

Mittwoch, 10. August 2011

Ich bin bereit- Die Snowboardkurs- Nummer, der Ritt in der Gruppe, das gemeinsame auf den Hintern setzen muss bis morgen warten.
Ich probier heute schonmal wie sich das an fühlt, so allein im Schnee.
Risikolos unbeobachtet fühle ich mich zwar nicht- so ganz in ROT….Ich werde wohl die lauteste Komposition auf dem angorakaninchenweißen Hügel abgeben- aber ich muss da J.E.T.Z.T runter.
Ich puzzle mich auf mein Bügelbrett, stehe vorsichtig auf und fühle mich ein bisschen unverwundbar.
Diese arrogante Einstellung soll mich noch eines besseren belehren. Viele Male. (weiterlesen…)

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 6

Donnerstag, 21. Juli 2011

Februar 2005

Ich werde wahnsinnig!
Mein Bewegungsdrang fordert eine Aktion.
Ich muss und will jetzt endlich irgendwas tun und das am liebsten auf irgendeinem Board- auch wenn ich selbst noch nicht wieder richtig stehen kann.
In diesem Fall vertraue ich auf die Worte meiner Ex – Krankenhauszimmernachbarin Ute, die mir und sich selbst komplette Beschwerdefreiheit diagnostiziert hat- wenn auch “nur” für 10 Jahre.
Da das Wetter gerade eher Richtung Winter tendiert und eine meiner Mädels- Anna- ein wahres Ski As ist, ich hingegen mit 31!!! Jahren noch N.I.E die Berge gesehen habe- abgesehen von einem in meinem Gehirn nicht abgespeicherten Trip mit 3 Jahren-, stellt sich die Frage nach dem wo? wer? wie? was für’n Brett?
Wir fahren nach Österreich.

Man muss dazu sagen, dass ich keinerlei Snowboardgeraffel habe.
Meine einzige Winterwirkware besteht aus einem Schal, ein paar Handschuhen und dem üblichen Zeugs, welches man für einen Stadtwinter benötigt um nicht an Berlin’s Bushaltestellen fest zufrieren.
Damit ich nicht komplett unvorbereitet bin und wenigstens ein bisschen mitreden kann, beginne ich damit, mir etwas Theorie zum Thema anzulesen.
Schließlich muss ich zumindest wissen, was und wie und wo, vor allem aber warum ich mir anzuschaffen habe.

Nebenbei bin ich auch noch total perfektionistisch, was die !!!!farbige!!! Ästhetik meines Outfits betrifft.

Ich bin schließlich ein Mädchen und kaufe schon allein deswegen eher nach Optik, denn Funktion ein. Siehe auch > gelbes Surfboard > aus der Einleitung.

Aber auch die interne Logik muss stimmen.
Da ich Anfängerin bin, möchte ich ungern mit der besten Klamotte und dem teuersten Technoboard in Erscheinung treten.
Das verpflichtet.
Dieser Pflicht kann ich nicht nachkommen.
Mir reicht es vorerst, wenn die Brille zum Board passt und dieses zur Jacke.
Was bei dieser Aussage hart gesottene Pistenjunkies oder ich selbst in 2 Jahren von mir denke/n muss mir jetzt mal egal sein.
Mein finanzieller Rahmen ist äußerst eng bemessen und es geht hier erst mal auch nur um einen „Test“, ein schnelles aufs Brett-Kommen.
In diesem Moment klinge ich vielleicht etwas überspannt, Typ: überkandidelte Großstadtprinzessin, aber mein Ziel ist und bleibt das Wellenreiten.

Anyway…Ein Gang zu H&M ist fällig. Dem nicht gerade„1A Ski- und Snowboardausrüster“, dafür praktisch, günstig und zeitnah modern.

Die besondere Gewichtung liegt derzeit auf Vorletzterem. Aber auch hier gilt wieder:
Farbkompatibel in allen Details.
Außerdem bitte auch sehr WARM.
Nochmal: Ich bin ein Mädchen und Mädchen frieren nun mal schneller, mehr und häufiger, sowie intensiver. leidender und dramatischer als Jungs.
Ich entscheide mich eitel und wärmegeil für eine knallrote Daunenjacke, die ich für wasserdicht halte.

Sie sieht dick aus und macht mich auch ein bisschen dick, so dass ich mich schon beim Anprobieren angenehm aufgewärmt fühle.
Leider ist das Teil ohne jede Wintersportfunktionalität und fern von dem Begriff atmungsaktiv.
Dafür passend zur roten Brille, die ich zuerst hatte. Man muss Abstriche machen. Jetzt fehlt „nur“ noch das Board. Dass dieses zumindest die Farbe Rot enthalten muss, versteht sich in meiner sortiertorganisierten Welt ganz von selbst.

eBay !. Natürlich wird auch dabei wert auf die entsprechende Marke gelegt- ich versuche den Boardsport zu begreifen und halte mich daher erst mal an ganz bekannte Namen, die auch ich schon mal irgendwo gehört habe.
Wie alt das Teil ist spielt dabei für mich nur bedingt eine Rolle, denn: Ich möchte zwar gut aussehen, aber wie bereits erwähnt möglichst nicht der Kategorie Profi zugeordnet werden.

Ebenfalls möchte ich nicht ohne Board im Tal ankommen.

Da ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht viele Snowboard- und Wintersportmarken kenne, beobachte ich das schnittige Burton ( hab ich zumindest schon mal in Zusammenhang mit Wintersport gehört ) Board aus dem letzten Jahrhundert, als die Menschen noch auf Baumstämmen ins Tal rutschten und dabei die Keule schwangen.
Farblich mehr als okay und bestens in das Konzept armer- Anfänger- auf- Board passend.
Nach 5 Tagen und finanziell um 30 € !!! verändert bin ich stolze Besitzerin einer echten Antiquität des Boardsports.
Spontan überlege ich das Teil an die Wand zu hängen, oder es einem Wintersportmuseum auszuhändigen, entschließe mich aber dann doch es in die Berge auszuführen.

Mein erstes Brett. Mir wird warm ums Herz.
Ich springe mit den letzten Resten meiner Rückenschmerzen und Zweifel auf das gute Stück und pose- zumindest das schon mal profihaft- in meinem Rote Zora Outfit auf dem schnittigen Bügelbrett.

Das tue ich bei Zimmertemperatur. Ein paar Tage später geht es los, raus aus dem Zimmer.
Mit Anna im Schlepptau fliege ich nach Stuttgart.
Noch am Flughafen denke ich mir, bloß gut dass keiner im Stande ist durch die schicke Verpackung meines Boardbags zu gucken.

Diese sieht sportlich aus und wurde von mir ebenfalls im Internetauktionshaus erworben.
Man könnte meinen, ich verstünde was von der Materie.

Ja, das hier ist mein Flughafentag - zu dem mir übrigens mal wieder niemand hinterher gerannt ist, um mich aufzuhalten oder mir wenigstens traurig auf Wiedersehen zu sagen-, mein Snowboard und die neue, wieder fast richtig sportliche Tine.. Ich bin stolz. Zumindest ein Teil meiner Träume kommt endlich in Schwung.
Es geht los.
Trotz meiner profihaften, wenngleich auch nicht gerade standbyflugförderlichen Überausrüstung kommen wir beide mit.
Vielleicht sollte ich kurz erwähnen, dass sowohl Anna, als auch ich zu diesem Zeitpunkt Mitarbeiterinnen einer Fluggesellschaft sind und dass das Standbyfliegen die zwar günstigste Variante in Bezug aufs Reisen für uns ist, nicht aber unbedingt die Bequemste.

Letzteres erklärt sich durch die Tatsache, dass wir immer zuletzt die Maschine „betreten“ und zwar und NUR dann, wenn der Flieger oder Pilot noch ein Plätzchen bzw. etwas für uns übrig haben.
In Sachen Über- und Sportgepäck bedeutet dies aber auch, dass man kurz vor knapp noch mal mit Klimm und Bimm durch den Flughafen spurten muss, um irgendwo irgendwie schnell einen Sperrgepäckschalter ausfindig zu machen.

Standbyfliegen bedeutet also nichts anderes, als: Mitkommen, wenn noch etwas frei ist und dies meistens ganz am Schluss.
Das hat zwangsläufig genervten Mitreisende zur Folge.
Genervte Mitreisende sind die, die schon in der Maschine sitzen, während ein zwei Gäste „etwas“ später dazu stoßen.
Klar, dass genervte Mitreisende immer ein Opfer wählen, welches Schuld ist, dass die Maschine 3 Minuten später los fliegt als geplant.
Immerhin entlasten wir damit das flugbegleitende Personal, das sonst immer dran ist.

Der Gang durch die bereits vollbesetzten, wartenden Reihen ist eins von den Dingen die ich am Standbye Fliegen nicht besonders schätze…obwohl— manchmal ist es auch ganz unterhaltsam..

Ebenfalls wichtig bei einem Mitarbeiterflug ist das richtige Outfit. Airlinemitarbeiter sollten sich möglichst nicht durch Flip Flops und Strohhut- kurz: als Touristen- hervorheben. Dies schon mal als Hinweis auf spätere Passagen.
Die Maschine heute ist nicht so arg voll. Wenn wir wollten, hätten wir die freie Platzwahl.
Das freut uns und die Reise beginnt entspannter, als viele andere davor und danach.
In Stuttgart angekommen, wuchte ich meine gut verpackte Brettsensation erneut durch die Gegend und fühle mich wie eine echte werdende Wintersportlerin.
Mal sehen, ob mir im Laufe der nächsten Tage jemand Geld für das Teil bietet.
Wundern würde es mich nicht.
Aber: Wenn man seine Träume schon fast aufgeben musste, ist selbst ein Moment mit dem ältesten Brett der Menschheit im Schlepptau riesengroß.
Ich, Anna und das Mammut werden von Anna’s Schwester abgeholt.
Annas Vater übernimmt die Weiterfahrt nach Österreich.
Nach etlichen Kilometern verschneitverschlitterten Kurvenstraßen und daraus resultierender Übelkeit… ich komme mir vor, als führe ich seit Stunden im Kreis- und wenn ich was nicht gut ab kann, dann ist das stundenlanges im Kreis fahren- sehe ich ihn: Den ersten Berg meines Lebens.

Nur im Dunkeln und schemenhaft, lässt er mich erahnen, welche Landschaftsform ich bisher meinem visuellen Blickfeld vorenthalten habe.
Ich staune und fühle mich wieder wie ein Kind. Großartig. Es kann losgehen. Vorher muss ich aber erst noch das Kunststück vollbringen MIT dem kompletten Inhalt meines Magens am Ziel anzukommen.
Ich kaue Luft, fixiere den Horizont oder was auch immer sich gerade fixieren lässt, singe eine Mantra und vollbringe es.
Schwerösterreichernde - ich verstehe kein Wort- sehr nette Menschen begrüßen uns.
Das lese ich aus ihrer Gestik. Sie scheinen sich über uns zu freuen.
Im Dunkeln lässt sich ein uriges, altes Holzhaus erkennen.
Das einzige Haus, was mir als Vergleich in den Sinn kommt, obwohl ich es nur aus dem Fernsehen kenne, ist die Schwarzwaldklinik, bzw. das Haus aus dem Vorspann der Schwarzwaldklinik.

Samstagabend, beste Sendezeit. Friedliche Menschen, helfen friedlichen Menschen in friedlicher Umgebung, während die kleine frisch geduschte Tine in einem Bademantel auf der Couch sitzt und friedlich ein Käsebrot isst.

Ich sehe mich um, kann jedoch nicht viel erkennen. Es ist stockfinster. Den Umriss des Berges von vorhin in der Erinnerung, freue ich mich auf den nächsten Tag- jetzt aber erst mal auf trockenes Brot und Wasser oder eine Pille gegen Seekrankheit. Mir ist noch immer SEHRsehr schlecht.

Anna, ich, der Papa und die, deren Sprache ich nicht verstehe, sitzen noch einen Moment beisammen, dann torkeln wir alle ins Bett. Es ist schon spät.

06.00 Uhr am nächsten Morgen: Ich bin W.A.C.H.. und MUSS das jetzt sofort auch allen Menschen mitteilen.
Schließlich werde ich heute zum ALLERERSTEN MAL auf einem Snowboard stehen und ich habe absolut keine Zeit für irgendwelche Unterhaltungen, Frühstücksorgien oder Badezimmerschlangen- .

Das Leben ist mir manchmal einfach zu langsam. Ich muss JETZT los.
Unkonzentriert schlinge ich mein Frühstück runter. Zeitverschwendung.
Die gestern Nacht nur in Umrissen wahrgenommene Landschaft ist heute in ihrer ganzen Gewaltigkeit präsent.
Ich staune so, wie ich als Dreijährige über das Wort „Zentrifugalregulator“ gestaunt habe. Berge, riesengroße echte Berge und soviel Schnee, dass es für fünf Berliner Winter reicht.

Mein hyperaktiver Tatendrang treibt mich zunächst zu Fuß den Übungshügel hinauf.
Ich setze mich in den Schnee, fummle eine überlange Weile an meiner Uraltbindung herum und schaue ein bisschen zu.
Gerade so lange, bis mein Kopf wieder beginnt meinen Körper zu überholen.. DER erste Moment ist gekommen. Wie immer in denkwürdigen Situationen mache ich zunächst ein Foto,…

Schuß und Tor

Schuß und Tor

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 5

Mittwoch, 06. Juli 2011

Der Tag drauf beginnt mit einem Gesichtsmuskelkater und einer Visite durch den schönen Doc.
Zu diesem Zweck tausche ich schnell mein profanes Mütterchen- Kreuzworträtsel durch die etwas intellektueller wirkende National Geographic. (weiterlesen…)

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 4

Montag, 13. Juni 2011

(…)
Rückblick
08.09.2004- Berlin, sehr weißes Krankenzimmer
Soeben habe ich eine präoperative Beruhigungspille und die Anweisung erhalten, in ein weißes Hemdchen und ein nicht minder weißes Stützstrumpfensemble zu steigen.
Wobei ich - wenn auch an dieser Stelle durchaus möglich- den Reim „weiß= heiß“ ausklammern möchte.
Ich bin einfach NUR WEIß, also durchsichtig, krankenhaussymbiot….wie auch immer.
Nach ziemlich kurzer Zeit bin ich noch etwas, nämlich so entspannt wie nie zuvor in meinem Leben. (weiterlesen…)

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 3

Montag, 30. Mai 2011

…guten Morgen liebe Leserinnen und Leser- Nicht, dass ich denke meine Blog wird so sehnsüchtig erwartet, wie die Tageszeitung oder der Briefträger zu Weihnachten, aber ich halte mich an die mir selbst auferlegten 14 Tage- Abstände und lege auch sogleich los.
Viel Spaß und bis zum 13.06.2011!

Was mich und die verbleibende Zeit auf Schloss Geraffel betrifft:
Ich sollte langsam Spanisch lernen, Kartons packen, also die, die demnächst von mir gehen verabschieden und mich um die wirklich wichtigen Dinge kümmern..
Stattdessen habe ich die letzten Wochen damit verbracht, mir ziemlich viel unnutzes Wissen an zu eignen.
Ich muss dazu sagen, dass ich neben meiner spanischen Pflichtlektüre immer auch noch ein paar trivialere Werke mit mir herumschleppe, Genre: Kriminalliteratur.
Mein auf diese Weise angeeignetes Wissen kann man dabei mittlerweile als durchaus fundiert bezeichnen- ich lese ja seit Wochen nichts anderes.
Wer weiß, vielleicht benötige ich ja tatsächlich mal Kenntnisse aus den Bereichen der forensischen Anthropologie ?!
Klassischer Fall von Gehirnzellenfremdbelegung, bzw. Verdrängung notwendiger Tatsachen und in etwa so sinnvoll, wie es sinnvoll ist, sich jedes Regal im Supermarkt zu merken, nur um anderntags einen ausgeklügelten Einkaufszettel nach Parcours erstellen zu können.
Denn- sehr wahrscheinlich ist doch, dass mich niemals jemand danach fragen wird, wie genau man anhand von Knochen bestimmt, was Lieschen Müller zum Abendessen hatte, bevor sie von Monika Mustermann mit einem Turnschuh erschlagen wurde oder mich belobigen, weil ich 3 Minuten Einkaufszeit einsparen konnte, nur weil ich den Weg vom Klopapier über die Waschmittelabteilung bis hin zur Tiefkühlkost in Rekordzeit zurückgelegt habe.
„Herzlichen Glückwunsch Frau Westphal, Sie sind mit einer Zeit von nur 2 Minuten 37 soeben monats- und marktschnellste in den Etappen Haushaltswaren, Gefrierbereich und Frischebäckerei geworden.“ Meine Freude hielte sich in Grenzen.
Was meinen derzeitigen Expertenstatus in den bereits erwähnten kriminologischen Bereichen betrifft, so ist die Überflüssigkeit der Sache an sich hier eigentlich fast schade. Was ich ebenfalls weiß und nicht nur erahne ist, dass es weitaus intelligenter wäre, endlich zu wissen und nicht nur zu erahnen was Auto, Wasserhahn, KFZ Zulassungsstelle, Haus, Maus und „Ich habe Durst“ auf Spanisch heißt.

Seit Wochen umgehe ich das Thema notwendige Bildung. Vielleicht will ich auch einfach nicht wahr haben, welch weiter Weg noch vor mir liegt, oder ich bin kein Theoretiker. Ich tue derzeit also so ziemlich alles, was ich nicht tun muss und trage fleißig ein vom Krimi überstapeltes Spanischbuch durch die Zeitgeschichte. Keine Ahnung, wie lange ich diesen Grundwortschatz nun schon in der Tasche habe. „Hände hoch, ich habe einen Grundwortschatz“.
Dieses verdammte Buch wiegt eine Tonne und ich kenne nicht einmal die Hälfte seiner schwerwiegenden Wörter.
Was mir ebenfalls in gehäufter Weise unterkommt, ist die derzeitige Medienthematik, Schwerpunkt TV. Seitdem ich beschlossen habe das Land zu verlassen, sehe ich beim Einschalten- egal um welche Uhrzeit- Berichte über schlecht präparierte, fernwehgeplagte Deutsche, die ihrem Ach- so- schrecklichen- Land den Rücken kehren wollen, müssen, möchten.
Kurz- sehr kurz ärgere ich mich, dass ich mich mit der ganzen Aktion nicht ebenfalls ans Fernsehen verkauft habe. Denn sehr wahrscheinlich wäre damit eine finanzielle Rückendeckung für mein Vorhaben einher gegangen- denke ich.
So bleiben mir nur die Erlöse aus meinen Kistenverkäufen und die Kaution meines EX Vermieters. Betrachte ich das ganze allerdings von der anderen Seite, bleiben mir meine Freiheit, meine Unbekanntheit, meine Ruhe und damit auch Fuerteventura einiges erspart.
Dennoch: Ich verfolge diese TV Serien- zugegebener Maßen- mit einem gewissen sensationsgeilen Interesse. Denn:
Jede Sendung zeigt in Präzision das Dilemma, mit der sich Singles, Paare, ja ganze Großfamilien nach Kanada oder zu einem einsamen Bergvolk in den Himalaja begeben. Letzteres ist dann die längste Zeit einsam gewesen und freut sich sicher riesig über die Zuwanderung der Familie Paschulke aus Wuppertal.
Überdies denkt- nennen wir sie der Einfachheit halber weiterhin Familie Paschulke- mit ein bisschen Schulenglisch schafft man es überall auf der Welt, hält den Yeti für einen modischen Umhang und ist sowieso gerade abgebrannt.
Es gibt also keinen besseren Zeitpunkt als jetzt und mit Allemann und Wellensittich wo ganz woanders hinzugehen. Auf der Suche nach dem gelobten Land. Halleluja.

Der Pferdefuß daran jedoch ist- wie soft im Leben gibt es auch hier wieder einen- man nimmt sich selbst immer mit auf die Reise, die egal wohin sie geht, nie weit genug weg sein kann. Man geht mitsamt seinem Köfferchen voller schlechter Witze und täglicher Probleme. Und seine verkorksten Eigenschaften und die restliche Familie, die hat man dann auch noch dabei.

ABER, eine positive Nachricht gibt es: Diese Koffer werden weder jemals beim Check In noch am Gepäckband verloren gehen. Was mich angeht: Leider trifft mindestens eins der oben aufgeführten Stichworte auch auf mich zu und ich habe deswegen auch ein kleines schlechtes Gewissen. Mit Nachdruck möchte ich jedoch eins versichern- mir und allen anderen: Nichts ist schrecklich in meinem Leben, vieles war schrecklich.. manchmal.. für kurze Zeit.. Aber: alles Negative hat auch immer etwas Gutes hinterlassen..
Ich gehe in Frieden und ich weiß, dass ich mich mitnehme. Allerdings mag ich mich, darum sehe ich das als Vorteil.
Das einzig wirklich Schreckliche ist das Nichtvorhandensein eines Ozeans in meiner Nähe. Keine Brandung, keine Wellen, keine Möglichkeit auf ihnen zu reiten, keine salzige Luft, kein Sand zwischen den Zehen.
Derzeit bin ich umgeben von grauen Mauern, grauen Gesichtern und grauen Wolken und fühle mich wie unter einer Käseglocke, eingeschlossen zwischen schlechter Luft, zu viel Lärm und zu wenig Freiheit. Ich fühle mich als säße ich auf einer Windhose aus Dreck, die langsam in sich zusammensackt.

Ich verlasse die Wohnung, arbeite fleißige 8!!!!!! Stunden- sitzend !!- und als ob das nicht schon schlimm genug wäre gammle ich dann noch mal 2 Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln herum. Sitzen P.L.U.S-
nicht gut für den Hintern und noch schlechter für die Stimmung. Das Ganze mal Dreck, minus Sonne, hoch Berlin, ist momentan zu viel des Guten.
Und so finde ich mich in die gleiche Tristesse gehüllt- irgendwann „Zuhause“, oder sagen wir am Ausgangspunkt wieder.
Manchmal variiere ich den Weg, oder schiebe ein highlighthaftes „After- Work- Shopping“ dazwischen, um am Abend abwechselnd Frau Unterhuber von der Schnellbrottheke oder den Metzger des Monats aus der Mitarbeiter des Monats Liste meines bevorzugten Supermarktes zu sehen.
Ansonsten ist mein Leben eine Konstante und ich eine Batterie dieser Stadt. Ich fühle mich wie eine Ressource, die sich in der Nacht auflädt, um am Tag wieder zu funktionieren.
Es gibt einen Hollywoodfilm, der diese Endzeitstimmung ganz gut wiedergibt.
Nur dass mich wahrscheinlich niemand mit einem langen Ledermantel und Zeitlupensprungtechnik aus diesem Dilemma befreien wird.
Im Übrigen kann ich die Farbe „grau“ gerade nicht besser beschreiben.
Ich möchte ab jetzt ein bisschen mehr Zeit auf diesem Planeten nutzen.
Am besten auf einem Surfboard und an einem schönen Ort.
Denn mal von meinem persönlichen Glauben an mich und meine 1000 Vor- und Nachleben abgesehen- ja ich weiß, klingt esoterisch- habe ich im Umkehrschluss aus dieser Müslimeinung nur das eine Leben. Also mit dieser Frisur und dieser Schuhgröße. Und dieses eine Leben, möchte ich nicht als farbloser Steinklotz verbringen. Denn wer weiß, vielleicht bin ich ja eines Tages ohne Zutun einer von ihnen- und man verbaut mich in eine Hauswand am Straßenrand irgendeiner Großstadt. Mein persönlicher Supergau: Berlin- Marzahn, Plattenbau, Erdgeschoss. - Entschuldigt Marzahner, ihr habt auch echt schöne Ecken !- Und dann ? Steh ich da. Eine lange solide Zeit und werde einfach nicht wieder geboren. Gar nicht gut.
Nein, ich möchte surfen, weniger sitzen und jeden Tag mit dem hellen Licht der Sonne beginnen . Ein bisschen bunt sein möchte ich und ich wäre hocherfreut, wenn das Surfen für mich so alltäglich sein könnte, wie für andere Menschen der Kaffee am Morgen. Ich möchte Finnenschlüssel statt Kellerschlüssel an meinen Schlüsselbund tragen, den Strandsand auf meinem Fußboden zusammen fegen müssen, die Brandung in den Ohren hören und die Wolken in den Augen sehen. Lagerfeuer, statt Schwarzlicht, Meer statt Einkaufszentrum, Sterne statt Wolken, Blond statt Braun. Ich habe eine verdammte Großstadtüberdosis, die ich schnellstens therapieren muss.
Außerdem habe ich gerade niemanden, den ich mit meiner Anwesenheit nerven kann und das bereits erwähnte ÜBERICH bleibt auch nach dieser Megaeinleitung weiterhin verschwunden.
JETZT ist genau der richtige Zeitpunkt alles das zu tun, diesem Traum nachzugehen. In einem Land, dessen Duden mein täglicher Begleiter geworden ist, mit Menschen, die meine Leidenschaft teilen, auf einer Insel auf der es noch einen Sternenhimmel gibt…to be continuedpicture2

Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 2

Montag, 16. Mai 2011

Hallo Leute,

es ist doch kaum zu glauben, schon wieder sind 2 Wochen ins Land gegangen.
Weiter geht’s
Die nächste Ausgabe gibt es am 30.05.2011
Jetzt aber erst einmal weiter im Text:
………..
(weiterlesen…)


OTRO MODO Surfcamp