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Weisswasser, Wellenreiten und Wunderkinder- Kapitel 3

…guten Morgen liebe Leserinnen und Leser- Nicht, dass ich denke meine Blog wird so sehnsüchtig erwartet, wie die Tageszeitung oder der Briefträger zu Weihnachten, aber ich halte mich an die mir selbst auferlegten 14 Tage- Abstände und lege auch sogleich los.
Viel Spaß und bis zum 13.06.2011!

Was mich und die verbleibende Zeit auf Schloss Geraffel betrifft:
Ich sollte langsam Spanisch lernen, Kartons packen, also die, die demnächst von mir gehen verabschieden und mich um die wirklich wichtigen Dinge kümmern..
Stattdessen habe ich die letzten Wochen damit verbracht, mir ziemlich viel unnutzes Wissen an zu eignen.
Ich muss dazu sagen, dass ich neben meiner spanischen Pflichtlektüre immer auch noch ein paar trivialere Werke mit mir herumschleppe, Genre: Kriminalliteratur.
Mein auf diese Weise angeeignetes Wissen kann man dabei mittlerweile als durchaus fundiert bezeichnen- ich lese ja seit Wochen nichts anderes.
Wer weiß, vielleicht benötige ich ja tatsächlich mal Kenntnisse aus den Bereichen der forensischen Anthropologie ?!
Klassischer Fall von Gehirnzellenfremdbelegung, bzw. Verdrängung notwendiger Tatsachen und in etwa so sinnvoll, wie es sinnvoll ist, sich jedes Regal im Supermarkt zu merken, nur um anderntags einen ausgeklügelten Einkaufszettel nach Parcours erstellen zu können.
Denn- sehr wahrscheinlich ist doch, dass mich niemals jemand danach fragen wird, wie genau man anhand von Knochen bestimmt, was Lieschen Müller zum Abendessen hatte, bevor sie von Monika Mustermann mit einem Turnschuh erschlagen wurde oder mich belobigen, weil ich 3 Minuten Einkaufszeit einsparen konnte, nur weil ich den Weg vom Klopapier über die Waschmittelabteilung bis hin zur Tiefkühlkost in Rekordzeit zurückgelegt habe.
„Herzlichen Glückwunsch Frau Westphal, Sie sind mit einer Zeit von nur 2 Minuten 37 soeben monats- und marktschnellste in den Etappen Haushaltswaren, Gefrierbereich und Frischebäckerei geworden.“ Meine Freude hielte sich in Grenzen.
Was meinen derzeitigen Expertenstatus in den bereits erwähnten kriminologischen Bereichen betrifft, so ist die Überflüssigkeit der Sache an sich hier eigentlich fast schade. Was ich ebenfalls weiß und nicht nur erahne ist, dass es weitaus intelligenter wäre, endlich zu wissen und nicht nur zu erahnen was Auto, Wasserhahn, KFZ Zulassungsstelle, Haus, Maus und „Ich habe Durst“ auf Spanisch heißt.

Seit Wochen umgehe ich das Thema notwendige Bildung. Vielleicht will ich auch einfach nicht wahr haben, welch weiter Weg noch vor mir liegt, oder ich bin kein Theoretiker. Ich tue derzeit also so ziemlich alles, was ich nicht tun muss und trage fleißig ein vom Krimi überstapeltes Spanischbuch durch die Zeitgeschichte. Keine Ahnung, wie lange ich diesen Grundwortschatz nun schon in der Tasche habe. „Hände hoch, ich habe einen Grundwortschatz“.
Dieses verdammte Buch wiegt eine Tonne und ich kenne nicht einmal die Hälfte seiner schwerwiegenden Wörter.
Was mir ebenfalls in gehäufter Weise unterkommt, ist die derzeitige Medienthematik, Schwerpunkt TV. Seitdem ich beschlossen habe das Land zu verlassen, sehe ich beim Einschalten- egal um welche Uhrzeit- Berichte über schlecht präparierte, fernwehgeplagte Deutsche, die ihrem Ach- so- schrecklichen- Land den Rücken kehren wollen, müssen, möchten.
Kurz- sehr kurz ärgere ich mich, dass ich mich mit der ganzen Aktion nicht ebenfalls ans Fernsehen verkauft habe. Denn sehr wahrscheinlich wäre damit eine finanzielle Rückendeckung für mein Vorhaben einher gegangen- denke ich.
So bleiben mir nur die Erlöse aus meinen Kistenverkäufen und die Kaution meines EX Vermieters. Betrachte ich das ganze allerdings von der anderen Seite, bleiben mir meine Freiheit, meine Unbekanntheit, meine Ruhe und damit auch Fuerteventura einiges erspart.
Dennoch: Ich verfolge diese TV Serien- zugegebener Maßen- mit einem gewissen sensationsgeilen Interesse. Denn:
Jede Sendung zeigt in Präzision das Dilemma, mit der sich Singles, Paare, ja ganze Großfamilien nach Kanada oder zu einem einsamen Bergvolk in den Himalaja begeben. Letzteres ist dann die längste Zeit einsam gewesen und freut sich sicher riesig über die Zuwanderung der Familie Paschulke aus Wuppertal.
Überdies denkt- nennen wir sie der Einfachheit halber weiterhin Familie Paschulke- mit ein bisschen Schulenglisch schafft man es überall auf der Welt, hält den Yeti für einen modischen Umhang und ist sowieso gerade abgebrannt.
Es gibt also keinen besseren Zeitpunkt als jetzt und mit Allemann und Wellensittich wo ganz woanders hinzugehen. Auf der Suche nach dem gelobten Land. Halleluja.

Der Pferdefuß daran jedoch ist- wie soft im Leben gibt es auch hier wieder einen- man nimmt sich selbst immer mit auf die Reise, die egal wohin sie geht, nie weit genug weg sein kann. Man geht mitsamt seinem Köfferchen voller schlechter Witze und täglicher Probleme. Und seine verkorksten Eigenschaften und die restliche Familie, die hat man dann auch noch dabei.

ABER, eine positive Nachricht gibt es: Diese Koffer werden weder jemals beim Check In noch am Gepäckband verloren gehen. Was mich angeht: Leider trifft mindestens eins der oben aufgeführten Stichworte auch auf mich zu und ich habe deswegen auch ein kleines schlechtes Gewissen. Mit Nachdruck möchte ich jedoch eins versichern- mir und allen anderen: Nichts ist schrecklich in meinem Leben, vieles war schrecklich.. manchmal.. für kurze Zeit.. Aber: alles Negative hat auch immer etwas Gutes hinterlassen..
Ich gehe in Frieden und ich weiß, dass ich mich mitnehme. Allerdings mag ich mich, darum sehe ich das als Vorteil.
Das einzig wirklich Schreckliche ist das Nichtvorhandensein eines Ozeans in meiner Nähe. Keine Brandung, keine Wellen, keine Möglichkeit auf ihnen zu reiten, keine salzige Luft, kein Sand zwischen den Zehen.
Derzeit bin ich umgeben von grauen Mauern, grauen Gesichtern und grauen Wolken und fühle mich wie unter einer Käseglocke, eingeschlossen zwischen schlechter Luft, zu viel Lärm und zu wenig Freiheit. Ich fühle mich als säße ich auf einer Windhose aus Dreck, die langsam in sich zusammensackt.

Ich verlasse die Wohnung, arbeite fleißige 8!!!!!! Stunden- sitzend !!- und als ob das nicht schon schlimm genug wäre gammle ich dann noch mal 2 Stunden in öffentlichen Verkehrsmitteln herum. Sitzen P.L.U.S-
nicht gut für den Hintern und noch schlechter für die Stimmung. Das Ganze mal Dreck, minus Sonne, hoch Berlin, ist momentan zu viel des Guten.
Und so finde ich mich in die gleiche Tristesse gehüllt- irgendwann „Zuhause“, oder sagen wir am Ausgangspunkt wieder.
Manchmal variiere ich den Weg, oder schiebe ein highlighthaftes „After- Work- Shopping“ dazwischen, um am Abend abwechselnd Frau Unterhuber von der Schnellbrottheke oder den Metzger des Monats aus der Mitarbeiter des Monats Liste meines bevorzugten Supermarktes zu sehen.
Ansonsten ist mein Leben eine Konstante und ich eine Batterie dieser Stadt. Ich fühle mich wie eine Ressource, die sich in der Nacht auflädt, um am Tag wieder zu funktionieren.
Es gibt einen Hollywoodfilm, der diese Endzeitstimmung ganz gut wiedergibt.
Nur dass mich wahrscheinlich niemand mit einem langen Ledermantel und Zeitlupensprungtechnik aus diesem Dilemma befreien wird.
Im Übrigen kann ich die Farbe „grau“ gerade nicht besser beschreiben.
Ich möchte ab jetzt ein bisschen mehr Zeit auf diesem Planeten nutzen.
Am besten auf einem Surfboard und an einem schönen Ort.
Denn mal von meinem persönlichen Glauben an mich und meine 1000 Vor- und Nachleben abgesehen- ja ich weiß, klingt esoterisch- habe ich im Umkehrschluss aus dieser Müslimeinung nur das eine Leben. Also mit dieser Frisur und dieser Schuhgröße. Und dieses eine Leben, möchte ich nicht als farbloser Steinklotz verbringen. Denn wer weiß, vielleicht bin ich ja eines Tages ohne Zutun einer von ihnen- und man verbaut mich in eine Hauswand am Straßenrand irgendeiner Großstadt. Mein persönlicher Supergau: Berlin- Marzahn, Plattenbau, Erdgeschoss. - Entschuldigt Marzahner, ihr habt auch echt schöne Ecken !- Und dann ? Steh ich da. Eine lange solide Zeit und werde einfach nicht wieder geboren. Gar nicht gut.
Nein, ich möchte surfen, weniger sitzen und jeden Tag mit dem hellen Licht der Sonne beginnen . Ein bisschen bunt sein möchte ich und ich wäre hocherfreut, wenn das Surfen für mich so alltäglich sein könnte, wie für andere Menschen der Kaffee am Morgen. Ich möchte Finnenschlüssel statt Kellerschlüssel an meinen Schlüsselbund tragen, den Strandsand auf meinem Fußboden zusammen fegen müssen, die Brandung in den Ohren hören und die Wolken in den Augen sehen. Lagerfeuer, statt Schwarzlicht, Meer statt Einkaufszentrum, Sterne statt Wolken, Blond statt Braun. Ich habe eine verdammte Großstadtüberdosis, die ich schnellstens therapieren muss.
Außerdem habe ich gerade niemanden, den ich mit meiner Anwesenheit nerven kann und das bereits erwähnte ÜBERICH bleibt auch nach dieser Megaeinleitung weiterhin verschwunden.
JETZT ist genau der richtige Zeitpunkt alles das zu tun, diesem Traum nachzugehen. In einem Land, dessen Duden mein täglicher Begleiter geworden ist, mit Menschen, die meine Leidenschaft teilen, auf einer Insel auf der es noch einen Sternenhimmel gibt…to be continuedpicture2

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